Warum Aktuar werden?

Das Leben steckt voller Überraschungen – positiv und negativ

Das Leben steckt voller Überraschungen. Auch vor negativen Einflüssen sind wir nicht immer gefeit. Deshalb wird der Wunsch nach Schutz und Sicherheit immer ein Grundbedürfnis der Menschen sein. Gefahrengemeinschaften helfen, der Bedrohung etwas entgegen zu setzen. Wie etwa beim Bergsteigen: Wenn jemand in der Seilschaft einen Fehltritt macht, können ihn die anderen auffangen.

Versicherungen funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Die Mitglieder bezahlen regelmässig Beiträge in die gemeinsame, von einer Versicherungsgesellschaft verwaltete Kasse. Wenn das versicherte Ereignis eintritt, wird daraus der Schaden bezahlt. Materielle Entschädigungen werden jedoch menschliches Leid nie aufwiegen können. Versicherungen können lediglich dazu beitragen, die wirtschaftlichen Folgen zu lindern.

Die Aufgabe des Aktuars

Versichern kann man sich nur gegen zufällige Ereignisse – die aber nicht ganz so unberechenbar sind, wie man glaubt. Versicherungsunternehmen rechnen aus, wie wahrscheinlich es ist, dass ein bestimmtes Ereignis oder ein bestimmter Schaden eintritt. Deshalb gehören Mathematik und Statistik zu den wichtigsten Grundlagen der Versicherungen. Die Wahrscheinlichkeitstheorie und die statistische Verarbeitung einer grossen Zahl von Versicherungsfällen machen es möglich, Gesetzmässigkeiten zu erkennen und den Zufall zu berechnen. Diese Berechnungen sind die Aufgabe der Aktuare.

Bei grossen Katastrophen wie einer Überschwemmung, einem Flugzeugabsturz, einem Erdbeben oder einem heftigen Sturm kann der Schaden für eine einzelne Versicherungsgesellschaft zu gross werden. Deshalb gibt es Rückversicherungen. Mit ihnen können die Versicherungen ihr eigenes Risiko begrenzen.

Rückversicherungen stehen den Versicherungen auch beratend zur Seite, weil sie mit ihrer weltweiten Tätigkeit und Erfahrung mit grossen Schadenereignissen über Informationen betreffend Grossrisiken, Katastrophenhäufigkeiten etc. verfügen. Auch hier sind es die Aktuare der Rückversicherungen, die Versicherungen beraten und unterstützen.

Mit vielen Berufen in Kontakt

Versicherungs- und Rückversicherungsgesellschaften beschäftigen Fachkräfte aus über 100 Berufen. Die Aktuare arbeiten dabei eng mit einer ganzen Anzahl Berufsvertreter zusammen. Ihre tägliche Arbeit beinhaltet intensive Abklärungen mit Ingenieuren, Aerzten, Aviatikern, Umweltwissenschaftern, Psychologen, Ökonomen, usw. Aufgrund dieser engen Zusammenarbeit kreieren die Aktuare auch neue Produkte und Angebote für Gross- und Einzelkunden.

Ein Beispiel aus der Welt des Aktuars

Angenommen, ein Versicherungsunternehmen habe 100 000 Autofahrer im Bestand, die eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben. Haben Sie sich schon mal überlegt, wie diese Versicherungen die Höhe der Prämien bestimmen soll?

Wir benötigen eine Statistik, der wir den durchschnittlichen jährlichen Schadenbetrag pro Versicherten innerhalb der letzten 5 bis 10 Jahre entnehmen können.

Aktuare müssen beurteilen, wie sich die Schadenlast weiterentwickeln wird: allfällige Teuerung, vorgesehener Ausbau der Massnahmen zur Verhütung von Unfällen, usw. Aktuare schätzen, welches die durchschnittliche Schadenlast pro Versichertem im nächsten Jahr sein wird. Dieser Betrag ist die Nettoprämie.

Zur Nettoprämie fügen wir noch einen Zuschlag für Verwaltungskosten und einen Sicherheitszuschlag hinzu, weil wir die durchschnittliche Schadenlast nicht exakt voraussagen können, und erhalten so die Bruttoprämie, die jeder einzelne Versicherte zu bezahlen hat.

Ist es nun richtig, wenn alle Automobilisten die genau gleiche Prämie zahlen müssen?

Die Prämie sollte möglichst nach dem Risiko abgestuft werden. Welche beobachtbaren Kriterien (Wagentyp, Hubraum, etc.) sagen etwas über das Risiko aus und wie sollen sie in die Prämienberechnung einfliessen? Wie können selbst nicht beobachtbare Merkmale (Temperament, Fahrerfahrung, etc.), die Einfluss auf das Risiko haben, indirekt (zum Beispiel durch ein Bonus/Malus-System) berücksichtigt werden? Die Beantwortung solcher Fragen stellt hohe Anforderungen an den Aktuar und setzt gute Kenntnisse der Wahrscheinlichkeitsrechnung und mathematischen Statistik voraus. Hier kommen moderne Methoden wie einfache und multiple Regression, Varianzanalyse, Kredibilitätstheorie, etc. zur Anwendung. Dabei hat sich der Aktuar auch mit der technischen Seite der Risiken auseinanderzusetzen.

Die Prämienberechnung ist in verschiedenen Versicherungsbranchen grundsätzlich die gleiche. In keiner Versicherungsbranche, weder in der Feuerversicherung, noch in der Krankenversicherung, noch in der Lebensversicherung gibt es in Wirklichkeit gleiche Risiken. Überall besteht der Bedarf, die Prämien möglichst den individuellen Risiken anzupassen.

Der Aktuar im internationalen Umfeld

Vor allem in den angelsächsischen Ländern hat der Beruf des Aktuars grosse Tradition. Er geniesst daher in Kanada, den USA, Australien, England und Südafrika, aber auch in Asien, einen wesentlich höheren Bekanntheitsgrad als in der Schweiz. In den global operierenden Schweizer Versicherungsgesellschaften trifft man immer wieder Aktuare aus diesen Ländern. Auch stehen Schweizer Aktuaren die Tore zur Welt offen, und jede grosse Versicherungsgesellschaft bietet ihren Aktuaren zahlreiche Möglichkeiten für kürzere oder längere Versetzungen ins Ausland.

Aufstiegschancen

Da Versicherungs- und Finanzrisikomanagement sowie Enterprise Risk Management Berufsfelder der Zukunft sind, wird die Nachfrage nach gut ausgebildeten Aktuaren zunehmen. Sie haben daher alle Möglichkeiten und können in einem Team von Aktuaren arbeiten oder Leiter eines nationalen oder kontinentalen Marktes oder einer Fachabteilung werden. Viele Aktuare arbeiten im Kader und der Direktion der grossen Versicherungsgesellschaften, da diese auf das Urteil der Aktuare angewiesen sind und stark auf deren Entscheidungen vertrauen.

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